Sind E-Zigaretten 95% weniger schaedlich? Die Studie

Sind E-Zigaretten 95% weniger schaedlich? Die Studie – Ratgeber bei Vapechamp.de

Von der Vapechamp-Fachredaktion · zuletzt aktualisiert im Juni 2026 · Lesezeit ca. 7 Minuten

Kaum eine Zahl hat die Vape-Debatte so geprägt wie diese: E-Zigaretten seien rund 95 Prozent weniger schädlich als herkömmliche Tabakzigaretten. Wer diese Aussage je hörte, hat sie wahrscheinlich auf YouTube, in Foren oder aus dem Mund eines Vape-Verkäufers gehört. Was dahinter steckt, wer sie aufgestellt hat und warum sie so umstritten ist – das klären wir hier sachlich auf. Denn: Die Zahl stammt aus einer echten Studie, ist aber häufig aus dem Zusammenhang gerissen und wird als Freibrief missverstanden, obwohl sie das nie war.

Woher stammt die 95-Prozent-Zahl?

Die Aussage geht auf eine Schätzung aus dem Jahr 2015 zurück, die von Public Health England (PHE) – der damaligen englischen Behörde für öffentliche Gesundheit – veröffentlicht wurde. Ein Expertenteam um den Toxikologen David Nutt hatte in einem Review verschiedene Schadstoffprofile bewertet und E-Zigaretten dabei als etwa 95 Prozent weniger schädlich eingestuft als Tabakrauch. PHE griff diese Schätzung auf und kommunizierte sie aktiv als Botschaft zur Rauchentwöhnung: Raucher, die nicht aufhören können, sollten auf Dampfen umsteigen.

Wichtig ist der Kontext: Es handelt sich um eine Schätzung, nicht um ein Messergebnis einer klinischen Langzeitstudie. Die Zahl soll den Unterschied im kurzfristigen Schadstoffprofil zwischen Tabakrauch und E-Zigarettendampf beschreiben – bezogen auf bekannte Risikofaktoren wie Teer, Kohlenmonoxid und krebserregende Verbrennungsprodukte, die im Dampf schlicht nicht vorkommen oder erheblich geringer konzentriert sind.

Was die Zahl sagt – und was nicht

Hier liegt das größte Missverständnis. „95 Prozent weniger schädlich als Rauchen“ bedeutet nicht, dass E-Zigaretten harmlos sind. Es bedeutet: Im Vergleich zu einem der schädlichsten Konsumprodukte überhaupt schneidet das Dampfen im Schadstoffprofil deutlich besser ab. Die Aussage setzt Tabakrauch als Referenzpunkt – keine gesunde Baseline.

  • Nikotin macht abhängig – im E-Zigarettendampf genauso wie in der Zigarette.
  • Inhaltsstoffe wie Propylenglykol und Veg. Glyzerin sind für eine langfristige Inhalation noch nicht abschließend untersucht.
  • Aromastoffe können sich beim Erhitzen verändern; Langzeitdaten fehlen weitgehend.
  • Passivdampf ist nicht risikofrei, auch wenn die Konzentrationen deutlich niedriger sind als bei Passivrauch.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält fest: E-Zigaretten setzen in der Regel weniger Schadstoffe frei als Tabakrauch, sind aber nicht risikofrei. Nikotin besitzt ein erhebliches Abhängigkeitspotenzial. Wer ein klareres Bild zur Frage „Wie schädlich ist Dampfen für die Lunge?“ sucht, findet in unserem Artikel Ist Dampfen schädlich für die Lunge? eine ausführlichere Einordnung.

Warum ist die Studie umstritten?

Kritiker – darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) – haben die 95-Prozent-Zahl aus mehreren Gründen in Frage gestellt:

  • Methodik: Die Schätzung basiert auf einer Befragung von Experten (Delphi-Verfahren), nicht auf direkten Messungen oder Langzeitstudiendaten aus Humanstudien.
  • Referenzpunkt: Tabakrauch als Ausgangspunkt setzt die Messlatte bewusst sehr tief; der Vergleich mit „nicht dampfen, nicht rauchen“ würde ganz anders ausfallen.
  • Neue Produkte: Seit 2015 sind viele neue Vape-Produkte auf den Markt gekommen – Hochleistungssysteme, neue Aromen, Salz-Nikotin-Konzentrationen – die bei der ursprünglichen Schätzung schlicht noch nicht existierten.
  • Interessenkonflikte: Einige der damaligen Gutachter hatten Verbindungen zur Tabakindustrie, was die Unabhängigkeit in Frage stellt.

Das DKFZ stellt klar: E-Zigaretten sind wahrscheinlich weniger schädlich als Tabakzigaretten, aber nicht harmlos. Entsprechend stark betont das DKFZ den Jugend- und Nichtraucherschutz – wer noch nie geraucht hat oder noch jung ist, sollte auch nicht mit dem Dampfen anfangen. Ein direkter Vergleich von E-Zigarette und Tabakzigarette findet sich auch in unserem Artikel Sind Elfbar schädlicher als Zigaretten?

Einordnung: Was sagen die Zahlen wirklich?

Die folgende Tabelle zeigt, welche bekannten Schadstoffe im Tabakrauch vorkommen und wie die Bewertung für E-Zigarettendampf nach aktuellem Kenntnisstand lautet. Die Werte sind keine exakten Messungen, sondern eine qualitative Einordnung auf Basis offizieller Quellenlagen (BfR, PHE-Bericht 2015):

Schadstoff Tabakrauch E-Zigarettendampf Risikobewertung Dampf
Teer (Verbrennungsprodukte) Ja, hohe Konzentrationen Nicht nachweisbar Stark reduziert
Kohlenmonoxid (CO) Ja, erheblich Nicht nachweisbar Stark reduziert
Nitrosamine (krebserregend) Ja Spurenweise möglich Erheblich niedriger
Nikotin Ja Ja (wenn nikotinhaltig) Gleich – abhängig machend
Formaldehyd Ja Bei Überhitzung möglich Geräte- und Nutzungsabhängig
Langzeitdaten Inhalation Jahrzehntelange Studien Kaum vorhanden Offen

Die 95-Prozent-Zahl im internationalen Vergleich

Nicht alle Gesundheitsbehörden haben die PHE-Einschätzung übernommen. Die WHO hält eine vorsichtigere Position und fordert eine strenge Regulierung von E-Zigaretten, insbesondere zum Schutz von Jugendlichen und Nichtrauchern. In Deutschland orientieren sich BfR und DKFZ an einem ähnlich vorsichtigen Kurs: Risikoreduziert im Vergleich zur Zigarette, aber kein Freischein.

Großbritannien ging nach PHE und dem Nachfolge-Bericht von OHID (2022) einen anderen Weg: E-Zigaretten werden dort aktiv als Rauchstopp-Werkzeug empfohlen, teils sogar in Kliniken ausgegeben. Das ist eine politische Entscheidung auf Basis derselben wissenschaftlichen Datenlage – zeigt aber, wie unterschiedlich Behörden mit Risikobewertung umgehen. Eine vertiefende Perspektive zur Frage, wie viel Nikotin eine E-Zigarette eigentlich liefert, bietet unser Artikel Wie viele Zigaretten entspricht eine Elfbar?

Die zweite Tabelle zeigt die Positionen der wichtigsten Behörden und Institutionen im Überblick:

Institution Position zur 95-%-Aussage Empfehlung
Public Health England / OHID (UK) Unterstützt Schätzung als Orientierung Aktiv als Rauchstopp-Werkzeug empfohlen
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Weniger schädlich, aber nicht risikofrei Nicht für Nichtraucher, Nikotin abhängig machend
DKFZ Wahrscheinlich weniger schädlich, Kritik an Methodik Strenger Jugendschutz, kein Einstieg empfohlen
WHO Skeptisch, fordert strikte Regulierung Offene Langzeitfragen, keine generelle Empfehlung

Was das für dich als Dampfer bedeutet

Wenn du bereits rauchst und überlegst, auf E-Zigaretten umzusteigen, zeigt die aktuelle Datenlage: Das Schadstoffprofil ist beim Dampfen erheblich besser als beim Verbrennen von Tabak. Der Umstieg kann eine risikoarme Entscheidung sein – kein risikofreier Schritt, aber ein deutlicher. Sprich idealerweise mit Ärzten oder Beratungsstellen, zum Beispiel der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die Unterstützung beim Rauchstopp anbietet.

Wenn du noch nie geraucht oder gedampft hast: Die vorliegenden Studien rechtfertigen keinen Einstieg. „Weniger schädlich als Zigaretten“ ist keine Empfehlung für Menschen ohne Tabakvorgeschichte.

Wer auf ein wiederaufladbares System umsteigen möchte, findet bei uns eine breite Auswahl an Pod-Systemen, darunter das beliebte Elfbar ELFA System und das ELFX-System. Wer nikotinfreie Optionen bevorzugt, wird in unserer Auswahl an nikotinfreien Vapes fündig. Als Liquid-Option empfehlen wir zum Beispiel ELFLIQ 10 ml ab 8,49 €. Zur Nikotinstärken-Frage gibt es hier mehr: 20, 10 oder 0 mg – welche Nikotinstärke?

Einweg-Vapes wie die Flerbar M ab 5,49 € aus der Einweg-Vape-Kategorie sind für Gelegenheitsdampfer praktisch – wer dauerhaft dampft, spart mit einem Pod-System langfristig Geld und Ressourcen.

Häufige Fragen zur 95-Prozent-Studie

Wer hat die 95-Prozent-Aussage ursprünglich aufgestellt?

Die Schätzung stammt aus einem Expertengutachten, das 2015 von Public Health England (PHE) veröffentlicht wurde. Toxikologe David Nutt leitete das Forschungsteam, das verschiedene Risikoprofile per Expertenbefragung (Delphi-Verfahren) bewertet hat. PHE übernahm die Zahl als Kommunikationsmittel für ihre Rauchstopp-Kampagnen.

Gilt die 95-Prozent-Zahl noch heute?

Sie wird weiterhin zitiert, ist aber umstritten. Das Nachfolgegremium OHID hat 2022 eine ähnliche Einschätzung bestätigt, während WHO und DKFZ methodische Schwachpunkte betonen. Als grobe Orientierung zum Schadstoffvergleich ist sie brauchbar – als Präzisionszahl ist sie es nicht.

Bedeutet „95 Prozent weniger schädlich“, dass Dampfen unbedenklich ist?

Nein. Die Aussage bezieht sich auf den Vergleich mit Tabakrauch – einem der schädlichsten Konsumprodukte überhaupt. E-Zigaretten enthalten Nikotin (abhängig machend), und die Langzeitfolgen des Inhalierens von Dampf sind noch nicht vollständig erforscht. Das BfR betont: nicht risikofrei.

Sollte ich als Nichtraucher mit dem Dampfen anfangen?

Nein. Alle relevanten Institutionen – BfR, DKFZ, WHO – sprechen sich klar dagegen aus. E-Zigaretten sind als Schadensreduktionswerkzeug für bestehende Raucher gedacht, nicht als Einstiegsprodukt für Nichtraucher oder Jugendliche.

Woher weiß ich, dass mein Vape-Produkt sicher hergestellt ist?

Kaufe nur bei zugelassenen Händlern, die Produkte mit TPD-Konformität anbieten. Echte Markenprodukte haben Sicherheitscodes. Gefälschte oder ungekennzeichnete Produkte können deutlich höhere Schadstoffkonzentrationen aufweisen. Wie du echte von gefälschten Produkten unterscheidest, erläutert unser Ratgeber Elfbar-Echtheit prüfen – oder du nutzt direkt unsere Echtheitsscheck-Seite.

Unterm Strich gilt: Die 95-Prozent-Zahl ist ein hilfreicher Anhaltspunkt im Großvergleich zwischen E-Zigarette und Tabakzigarette – wer aber in Dampfen eine Lizenz zur Sorglosigkeit sieht, hat sie falsch verstanden. Risikoarm bedeutet nicht risikolos, und Nikotin bleibt Nikotin. Wer dampft statt raucht, macht wahrscheinlich einen risikoreduzierteren Schritt – und wer aufhören will, findet Unterstützung bei der BZgA oder ärztlichem Fachpersonal.

Quellen: Public Health England – E-cigarettes: an evidence update (2015, gov.uk); Bundesinstitut für Risikobewertung (bfr.bund.de); Deutsches Krebsforschungszentrum (dkfz.de); Weltgesundheitsorganisation WHO (who.int); Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA (bzga.de).

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