Von Justin Flick · zuletzt aktualisiert im Oktober 2026 · Lesezeit ca. 6 Minuten
„Ist Dampfen eigentlich schädlich für die Lunge?“ – eine Frage, die uns oft gestellt wird und die eine sachliche Antwort verdient. Die kurze Version vorweg: Dampfen ist nicht harmlos. Nach Einschätzung deutscher Fachstellen enthält das Aerosol gesundheitsschädliche Substanzen, einige davon schädigen die Atemwege, und Nikotin macht abhängig. Verlässliche Aussagen zu den Langzeitfolgen lässt die Studienlage noch nicht zu. Wir fassen zusammen, was das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu sagen.
Vapechamp ist ein Händler für E-Zigaretten. Dieser Beitrag gibt die Einordnung der Fachstellen wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Warum die Lunge bei diesem Thema im Mittelpunkt steht
Eine E-Zigarette erhitzt ein Liquid aus Propylenglykol, Glycerin, Aromen und meist Nikotin. Das Liquid wird beim Ziehen am Mundstück vernebelt und als Aerosol eingeatmet. Das DKFZ beschreibt dieses Aerosol als Gemisch aus feinen und ultrafeinen Flüssigkeitspartikeln, das in die Lunge gelangt. Das BIÖG hält fest, dass die Inhaltsstoffe des Liquids dabei in die Lunge gelangen – „mit derzeit noch unbekannten Folgen für die Gesundheit“.
Beim Erhitzen entstehen zudem Stoffe, die nicht in die Lunge gehören: Nach Angaben des BfR deuten Analysendaten darauf hin, dass dabei krebserzeugende Substanzen wie Formaldehyd und Acetaldehyd sowie das zelltoxische Acrolein entstehen können.
Was sagen die Fachstellen?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt, dass der ausgestoßene Dampf eine große Zahl an festen und flüssigen Stoffen enthält, „die unter anderem das Herzkreislaufsystem und die Lunge schädigen können“. Zudem fehlen laut BfR bislang Langzeitstudien dazu, wie sich das Einatmen der Vernebelungsmittel Propylenglykol und Glycerin auf die Gesundheit auswirkt. Zum Schutz der eigenen Gesundheit empfiehlt das BfR grundsätzlich, auf den Konsum von E-Zigaretten zu verzichten.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) bezeichnet E-Zigaretten als „keineswegs harmlose Life-Style-Produkte“. Einige Inhaltsstoffe des Aerosols seien atemwegsschädigend. Tier- und Zellversuche sowie kurzfristige klinische Studien deuten laut DKFZ darauf hin, dass der Gebrauch von E-Zigaretten im Körper Veränderungen verursacht, die langfristige Gesundheitsschäden erwarten lassen, insbesondere im Herz-Kreislaufsystem und in den Atemwegen.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) verweist auf Untersuchungen, nach denen es durch den Gebrauch von E-Zigaretten zu Atemwegsirritationen und eventuell auch zu Entzündungsreaktionen in den Bronchien kommen kann. Aussagekräftige Langzeit-Studien fehlen nach Angaben des BIÖG noch. Welche zusätzlichen Risiken bei Asthma und Allergien bestehen, beschreibt der Beitrag Dampfen mit Asthma.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schreibt, es gebe zunehmend Hinweise darauf, dass E-Zigaretten mit Lungenschäden in Verbindung stehen könnten. Für eine klare Antwort zu den langfristigen Auswirkungen sei es noch zu früh.
Was über Dampfen und Lunge bekannt ist
Die wichtigsten Punkte im Überblick, jeweils mit Quelle:
| Aspekt | Einordnung | Quelle |
|---|---|---|
| Inhaltsstoffe des Aerosols | Enthält gesundheitsschädliche und krebserzeugende Substanzen | DKFZ |
| Wirkung auf die Atemwege | Einige Inhaltsstoffe sind atemwegsschädigend; Partikel lagern sich in der Lunge ab | DKFZ |
| Beim Erhitzen entstehende Stoffe | Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein können entstehen | BfR |
| Bronchien | Atemwegsirritationen, eventuell Entzündungsreaktionen möglich | BIÖG |
| Nikotin | Macht abhängig; Suchtrisiko, weil Nikotin ähnlich schnell ins Gehirn gelangt wie beim Rauchen | BIÖG, BfR |
| Langzeitfolgen | Keine verlässlichen Aussagen möglich; Langzeitstudien fehlen | DKFZ, BfR, BIÖG |
Was steckt eigentlich im Dampf?
Ein Liquid besteht im Kern aus wenigen Hauptbestandteilen:
- Propylenglykol (PG) – trägt das Aroma und sorgt für den spürbaren Zug am Hals.
- Pflanzliches Glycerin (VG) – erzeugt den sichtbaren Dampf. Zu den Folgen des dauerhaften Einatmens von PG und Glycerin fehlen laut BfR Langzeitstudien.
- Aromen – sorgen für den Geschmack. Laut BfR ist belegt, dass einige der in Liquids verwendeten Aromen Allergien auslösen können.
- Nikotin – in den meisten Liquids enthalten; der Gehalt ist in Deutschland auf höchstens 20 mg/ml begrenzt (§ 14 Abs. 1 TabakerzG).
Auch wenn diese Zutaten für sich genommen unauffällig klingen: Einatmen ist etwas anderes als Schlucken, und beim Erhitzen können weitere Stoffe entstehen. Liquids sollten nicht selbst gemischt werden. Das BfR warnt besonders vor Ölen in Liquids, da sie beim Einatmen zu schweren Atemwegserkrankungen führen können.
Nikotin und Abhängigkeit
Nikotin macht abhängig – unabhängig davon, ob es geraucht oder gedampft wird. Das BfR weist darauf hin, dass Nikotin aus E-Zigaretten ähnlich schnell ins Gehirn gelangt wie bei herkömmlichen Zigaretten; daraus ergibt sich ein Suchtrisiko. Nikotinhaltige Produkte tragen deshalb den gesetzlichen Warnhinweis „Dieses Produkt enthält Nikotin: einen Stoff, der sehr stark abhängig macht.“ (§ 27 Abs. 2 TabakerzV).
Das BIÖG hält es für vorstellbar, dass eine durch E-Zigaretten entstandene Nikotinabhängigkeit bei einigen Menschen das Risiko für einen Einstieg in das Rauchen von Tabakzigaretten erhöht. Wer mit dem Dampfen aufhören möchte, findet Hinweise zu Entzugssymptomen und Hilfsangeboten wie der Telefonberatung des BIÖG (0800 8 31 31 31, kostenfrei) im Beitrag Mit dem Dampfen aufhören.
Wer besonders vorsichtig sein sollte
Die Fachstellen nennen mehrere Gruppen ausdrücklich:
- Nichtrauchende – wegen der unbekannten langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit sollten nichtrauchende Menschen laut DKFZ keinesfalls E-Zigaretten verwenden.
- Kinder und Jugendliche – das BIÖG weist darauf hin, dass die Stoffe im Dampf vor allem für junge Menschen schädlich sein können, deren Lunge sich noch entwickelt. Die Abgabe von E-Zigaretten an Kinder und Jugendliche ist nach § 10 Jugendschutzgesetz verboten, auch bei nikotinfreien Produkten.
- Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen – sie sollten laut BIÖG besonders vorsichtig im Umgang mit E-Zigaretten sein.
Was über den Dampf in der Raumluft bekannt ist, steht im Beitrag Passivdampfen: wie gefährlich ist es für andere?. Weitere Einschätzungen deutscher Fachstellen fasst der Beitrag E-Zigarette und Rauchstopp: was Fachstellen sagen zusammen.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Anhaltender Husten, Atemnot oder Schmerzen in der Brust sollten ärztlich abgeklärt werden – auch dann, wenn ein Zusammenhang mit dem Dampfen nur vermutet wird. Bei akuter Atemnot gilt der Notruf 112. Das BfR berichtet, dass in den USA mehr als 2800 Menschen nach dem Konsum von E-Zigaretten teilweise schwere Lungenschädigungen erlitten (Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC, Stand Februar 2020). Mit diesen Fällen wurde Vitamin-E-Acetat in Verbindung gebracht; als Ursache nachgewiesen ist der Stoff nicht.
Häufige Fragen zu Dampfen und Lunge
Ist Dampfen harmlos, weil das Liquid nur erhitzt wird?
Nein. Auch beim bloßen Erhitzen des Liquids können laut BfR krebserzeugende Substanzen wie Formaldehyd und Acetaldehyd entstehen. Das DKFZ beschreibt einige Inhaltsstoffe des Aerosols als atemwegsschädigend und bezeichnet E-Zigaretten als keineswegs harmlos.
Schadet Dampfen der Lunge eines Nichtrauchers?
Die Fachstellen raten Nichtrauchenden klar ab: Wegen der unbekannten langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit sollten nichtrauchende Menschen laut DKFZ keinesfalls E-Zigaretten verwenden. Das BfR empfiehlt zum Schutz der eigenen Gesundheit grundsätzlich, auf E-Zigaretten zu verzichten.
Ist nikotinfreies Dampfen unbedenklich für die Lunge?
Nein. Das BIÖG hält fest: Auch wenn ein Liquid kein Nikotin enthält, bleibt das Einatmen von chemischem Dampf ein Gesundheitsrisiko. Die Hauptbestandteile Propylenglykol und Glycerin sind auch in nikotinfreien Liquids enthalten; zu den Folgen ihres Einatmens fehlen laut BfR Langzeitstudien.
Gibt es schon Langzeitstudien zur Lunge?
Nein, belastbare Langzeitdaten fehlen noch. Laut DKFZ lässt die aktuelle Studienlage keine verlässlichen Aussagen zu möglichen langfristigen Folgen zu; das BfR schreibt, über die langfristigen gesundheitlichen Folgen sei derzeit noch wenig bekannt. Auch die WHO hält es für zu früh für eine klare Antwort.
Wann sollte ich mit Atembeschwerden zum Arzt?
Anhaltender Husten, Atemnot oder Schmerzen in der Brust sollten ärztlich abgeklärt werden, auch wenn ein Zusammenhang mit dem Dampfen nur vermutet wird. Bei akuter Atemnot gilt der Notruf 112.
Zusammengefasst: Nach Einschätzung von BfR, DKFZ und BIÖG ist Dampfen nicht harmlos für die Atemwege, und Nikotin macht abhängig. Zu den Langzeitfolgen lassen sich noch keine verlässlichen Aussagen treffen. Das BfR empfiehlt grundsätzlich, auf E-Zigaretten zu verzichten; Nichtrauchende sollten laut DKFZ keinesfalls damit anfangen. Kostenfreie Unterstützung beim Ausstieg bietet die Telefonberatung des BIÖG unter 0800 8 31 31 31.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Nikotinhaltige E-Zigaretten tragen den Warnhinweis „Dieses Produkt enthält Nikotin: einen Stoff, der sehr stark abhängig macht.“ Die Abgabe von E-Zigaretten an Kinder und Jugendliche ist nach § 10 Jugendschutzgesetz verboten – auch im Versandhandel und auch bei nikotinfreien Produkten.
Quellen: Bundesinstitut für Risikobewertung, „E-Zigaretten: Alles andere als harmlos“ (Fragen und Antworten, Stand 08.04.2025); Deutsches Krebsforschungszentrum, „Fakten zum Rauchen: Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten“ (2024); Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, rauchfrei-info.de: „E-Zigarette (Vape)“ und „Vapes (E-Zigaretten)“; WHO, „Tobacco: E-cigarettes“ (Fragen und Antworten, 19.01.2024); § 14 TabakerzG; § 27 TabakerzV; § 10 JuSchG.